Retention is the new Recruiting
- robindeb.com

- 6. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Oder, wie gut ist ein Betrieb tatsächlich in der Lage, Menschen auszubilden?

Man versucht, Menschen über Bewerbungen zu verstehen, über sauber formulierte Motivationsschreiben, über wohlüberlegte Lebensläufe und Gespräche, in denen beide Seiten für eine Stunde die beste Version ihrer selbst darstellen.
Ich glaube, das war schon immer eine ziemlich fragile Grundlage für eine Entscheidung, die möglichst Jahre halten soll.
Jetzt kommt KI dazu, und plötzlich wird dieses System eiskalt entlarvt.
Denn wenn heute jeder in der Lage ist, innerhalb von Minuten ein überzeugendes, reflektiertes und sprachlich einwandfreies Motivationsschreiben zu erstellen, dann bleibt am Ende nur noch eine Erkenntnis:
Wir haben nie wirklich gemessen, was wir zu messen glaubten. Früher hast du geglaubt, du stellst Menschen aufgrund von Substanz ein.
Heute merkst Du,
Du hast oft nur die beste Geschichte gekauft
Was bedeutet das für touristische Dienstleister?
Es bedeutet, dass der Moment der Wahrheit sich verschiebt , weg vom Gespräch, weg von der Bewerbung, hin in den Alltag, dorthin, wo kein Text mehr hilft und keine Vorbereitung trägt und der entscheidende Moment ist dann nicht mehr der erste Eindruck.
Es ist der zweite Montag.
Der Moment, in dem die Einarbeitung vorbei ist, der Druck steigt, Abläufe nicht mehr erklärt werden und Erwartungen plötzlich unausgesprochen im Raum stehen. Und dort zeigt sich etwas, das in vielen Organisationen erstaunlich wenig Aufmerksamkeit bekommt:
Wie gut ein Betrieb tatsächlich in der Lage ist, Menschen auszubilden.
Denn während Recruiting-Prozesse immer weiter verfeinert werden, während neue Tools, Assessments und Interviewformate entstehen, bleibt die betriebliche Realität oft erstaunlich konstant.
Man stellt ein, man zeigt kurz die wichtigsten Abläufe, man hofft auf Eigeninitiative und wenn es nicht funktioniert, spricht man von „fehlendem Fit“, als wäre das eine Eigenschaft des Menschen und nicht ein Ergebnis des Systems.
Dabei wäre die ehrlichere Frage eine andere:
Was passiert eigentlich mit Menschen, nachdem wir sie eingestellt haben?
Vorbildliche Betriebe unterscheiden sich nicht dadurch, dass sie die perfekten Kandidaten finden, sondern dadurch, dass sie verstehen, dass Qualität im Aufbau entsteht und nicht bei der Auswahl.
Sie nehmen sich Zeit, im Sinne von Aufmerksamkeit und nicht im Sinne von langen Prozessen, erklären Abläufe, Zusammenhänge und korrigieren früh, bevor sich Fehler festsetzen. sie beobachten, bevor sie bewerten und sie geben Orientierung, bevor Unsicherheit entsteht.
Das klingt zwar unspektakulär, ist aber in der Konsequenz radikal.
Jeder HR Mitrabeitende (und darüber hinaus) weiss:
Jeder Abgang ist teuer, finanziell, operativ und kulturell. Und dennoch investieren viele Unternehmen nach wie vor mehr Energie in die Suche nach neuen Mitarbeitenden als in die Entwicklung der bestehenden.
Wirkt Suchen aktiver als Entwickeln?
Vielleicht ist Recruiting lediglich einfacher messbar (und Ausbildung oft nich).
Oder ist es einfacher ist zu glauben, dass man nur die „Richtigen“ finden muss, anstatt die Verantwortung dafür zu übernehmen, Menschen besser zu machen.
Evetnuelle liegt hier die eigentliche Verschiebung:
Retention wird zur zentralen Managementaufgabe.
Keine HR-Initiative, kein Benefit-Programm, dafür als Ergebnis von täglichem Verhalten, von Führung, von Training, von kleinen, oft unscheinbaren Momenten, in denen entschieden wird, ob jemand wächst oder innerlich bereits auf Abstand geht.
Note to myself:
Menschen bleiben nicht, weil sie gut ausgewählt wurden. Sondern weil sie in einem Umfeld sind, in dem sie besser werden.



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