Hilfe, die Decke fällt mir auf den Kopf
- robindeb.com

- 4. März
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. März

Aus persönlichen Erfahrungen als General Manager im Hotelalltag
Was hat Struktur mit Fehler, Stress und Umsatzverlust zu tun?
Exzellenz im Hotel entsteht in den meisten Fällen bei klarer Struktur, durchtrainierten Abläufen und transparenten Verantwortlichkeiten.
Dort wo Abteilungen an der Guest Journey arbeiten, wird das deutlich. Reservation, Front Office, F&B, Housekeeping, Spa & Engineering, alle sind Teil der gleichen Journey. Wenn hier Abläufe klar sind, entsteht wenig Reibung.
Ich schiebe mir bei Chaos oft die Schuld zu, dabei ist es kein persönliches Versagen per se sondern oft eine strukturelles Lücke, wenn Verantwortlichkeiten, Prozesse etc unklar sind. (aber eben auch ein Versagen :). Bei einem Projekt, neulich in den Bergen, wurde mir fehlende Struktur, aufgrund von Ausfällen, deutlich und in brutaler Weise aufgezeigt. (dazu mehr im nächsten Artikel)
Was heisst das jetzt?
Exzellenz zeigt sich im Alltag.
Im Chaos werden Entscheidungen spontan getroffen, Zuständigkeiten sind nicht ganz klar und Abläufe funktionieren nur, weil einzelne Mitarbeitende sie schon immer so gemacht haben. Was passiert:
Fehler in der Offertenstellung
Informationen versanden zwischen Kantinentür und Lobby
Aufgaben und Tasks werden gleichzeitig von mehreren Mitarbeitenden erledigt
Aufgaben und Tasks werden gleichzeitig von mehreren Mitarbeitenden nicht erledigt
Stress steigt
Upsell verpufft
Der Betrieb hängt stark von einzelnen Schlüsselpersonen ab
Führung reagiert auf Probleme statt Strukturen zu schaffen
Hoteliers werten dies oft als normalen Alltag.
In Wahrheit ist sie fast immer ein Zeichen fehlender Struktur.
Die häufigsten Ursachen für Exzellenz
1. Gästezentrierte und angelernte Prozesse
Fehlen diese, dann lernen Mitarbeitende Aufgaben durch Hörensagen, durch Beobachtung oder durch Erleben.
Fehlen die SOP dann sind die Folgen:
Jeder macht mal
Qualität schwankt
Fehler passieren häufiger
Onboarding chaotisch. Neue Mitarbeitende brauchen lange, um sich einzuarbeiten
Was im kleinen Team noch funktioniert, wird spätestens bei wachsender Organisation zum Problem.
2. Glasklare Verantwortlichkeiten
Rollen sind oft historisch gewachsen und Aufgaben verteilen sich über Jahre hinweg.
Sollten diese unklar sein, dann bleiben Fragen offen:
Wer entscheidet über Preise?
Wer beantwortet Beschwerden?
Wer priorisiert welche Aufgaben?
Wer trägt die Ergebnisverantwortung?
Wer führt Mitarbeitende und wer nicht?
Wenn diese Fragen beantwortet sind, bleibt Chaos fern.
3. Präsente und kommunizierende operative Führung
Operative Führung bietet Struktur im Alltag.
Viele „Leader“ sind oft in den Operations eingebunden oder zu stark mit strategischen Themen beschäftigt. Die eigentliche Aufbauarbeit der „Basics“ bleibt dadurch liegen.
Dann passiert:
Teams organisieren sich selbst
Standards werden nicht überprüft
Prioritäten wechseln ständig
Führung erfolgt situativ statt systematisch
4. Klar definierte (und ja, gastzentrierte) Guest Journey
Die Gästereise ist der zentrale Prozess jedes Hotels. In vielen Betrieben ist sie allerdings nicht geplant.
Schnittstellen zwischen den Abteilungen bleiben oft unklar.
Das führt zu typischen Problemen:
Gäste erhalten widersprüchliche Informationen
Vorbereitungen laufen am Gast vorbei
Übergaben zwischen Abteilungen fehlen
Verkaufschancen bleiben ungenutzt
Das Gästeerlebnis wirkt inkonsistent
Ist die Guest Journey klar strukturiert, entsteht automatisch Exzellenz
5. Wachstum und strukturelle Weiterentwicklung
Viele erfolgreiche Hotels wachsen. Mehr Zimmer, mehr Angebote, mehr Mitarbeitende.
Doch die Organisation wächst nicht immer im gleichen Tempo mit.
Dann passiert Folgendes:
Alte Abläufe funktionieren nicht mehr
Kommunikation wird komplizierter
Abstimmungsbedarf steigt
Fehler nehmen zu
Wachstum und strukturelle Anpassung ist eine der häufigsten Ursachen für operative Exzellenz im Hotelbetrieb.
6. Unabhängigkeit von Schlüsselpersonen
In vielen Hotels tragen einzelne Mitarbeitende enorm viel Wissen. Sie kennen Abläufef, Entscheidungen und Zusammenhänge, wenn sie dieses Paket autonom und eigenmächtig ausführen können entseht Exzellenz.
Ist das nicht der Fall, ist Risiko ist offensichtlich:
fehlt der Decisionmaker, entsteht Chaos
Wissen geht verloren
Übergaben funktionieren nicht
Qualität hängt von einzelnen Menschen ab
„Keep the basics right“ bedeutet, dass Prozesse im System liegen.
Warum Exzellenz wirtschaftliche Folgen hat
Fehlende Exzellenz ist nicht nur ein organisatorisches Problem. Es wirkt sich direkt auf die „Bottom Line“ aus.
Typische Folgen sind:
Umsatzverluste durch fehlende Verkaufsstrukturen
Zeitverlust durch ständige Abstimmungen
Mehrkosten durch Fehlerkorrekturen
Überlastete Mitarbeitende und höhere Fluktuation
Schwankende Gästezufriedenheit
Exzellenz im Business ist ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor.
Wie Struktur Exzellenz fördert
Ermächtigung, sinnvolle und klare Prozesse, definierte Rollen und eine präsente operative Führung ermöglichen den Mitarbeitenden Entscheidungen zu treffen und den Fokus auf die Guest Journey zu legen. So wird Exzellenz auf allen Ebenen erzielt.
Typische Ansatzpunkte sind:
Definition zentraler Hotelprozesse (Keep the Basics right)
Klare Verantwortlichkeiten im Team
Strukturierte Guest Journey
Routinen in der operativen Führung
Klare Verkaufsprozesse im Alltag
Saubere Schnittstellen zwischen Abteilungen
Sind diese Grundlagen vorhanden sind, profitieren alle.
Fazit: Struktur schlägt Chaos
Exzellenz im Betrieb entsteht durch klare und angelernte (Training!!) Basics, präsenter Führung, Ermächtigung der Mitarbeitenden, Sinnstiftung und gastzentrierten Journeys.
Gerade in Hotels und Resorts mit komplexen Abläufen verstärken sich diese Effekte schnell.
Struktur schafft Klarheit im Alltag, reduziert Fehler, entlastet Teams und verbessert die wirtschaftliche Stabilität eines Betriebs.


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